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Kopfkino ohne Ausweg

Eine Unterhaltung hat mich dazu gebracht, diesen alten Text wieder aufzuwärmen, und leicht überarbeitet hier einzustellen (wahrscheinlich guggt eh wieder kein Schwein):

Viele, ich sag mal aus unserem Kreis, wobei ich den Personenkreis nicht so einschränken möchte, nennen sich ja devot. ich hab in dem Thema auch meine Aktien drin, obwohl ich schon Wert drauf lege dass ich da einen Wandel durchgemacht habe. Und das Ganze ziemlich realistisch sehe. Dazu unten mehr.

Da möchte ich mal, um eventuell ja ein Nachdenken anzustossen, ein paar Thesen in den Raum stellen. Ohne Wertung, mit ein bisschen Provokation, einfach mal hingestellt.

Ich nehme das Thema Sadomasochismus, das Vergnügen Schmerzen um ihrer selbst willen, zuzufügen, bzw. zu erleiden, raus. Ich hab da eine simple Theorie, will aber nicht mitreden. Mein Vater war Elektriker, kein Metzger.

a) Eine dominant-devote Beziehung ist ja per Definition einfach. Eine(r) ist oben, der/die andere unten. Klare Fronten. Keine Diskussionen, keine Rangkämpfe, die ultimative Ordnung. In dieser Einfachheit liegt eine gewisse Eleganz. Der menschliche Verstand arbeitet unentwegt daran, sich ein Bild der Welt zu machen, zu strukturieren und zu verallgemeinern. Eine einfache Ordnung, bzw. Rangfolge, in so was komplexen wie einer Beziehung, oder gar einer gewünschten Beziehung kommt dem entgegen. Für manche liegen ja vor einem simplen Sexualakt nicht überwindliche Hindernisse, da kann der Wunsch nach Klärung der Fronten schon bestehen

b) Jedes Herdentier - also auch der Mensch - hat einen Platz in der Rangordnung. Genauso wie es welche gibt, die den Drang haben oben zu stehen, gibt es welche die sich gerne in eine etablierte Ordnung einfügen. Dieses Bedürfnis muß es geben, sonst würden ja Hierarchien nicht funktionieren. Diese Ordnung kann bestimmt regelmäßig angezweifelt werden, und neu sortiert, aber für eine bestimmte Zeitdauer, einen bestimmten Zweck, ein Projekt, bleibt sie stabil. Dieser Wesenszug ist im menschlichen Charakter einfach drin.

c) Für die meisten Menschen ist es eine im täglichen Leben etablierte Tatsache, welches von den Geschlechtern das überlegene ist. Das ist einfach das Rollenverhalten, das uns in der Jugend antrainert wurde, das wir erwarten, was auch tagtäglich in den Medien, Filmen, usw. verstärkt wird. Eine zunehmende Kommerzialisierung und Gewinnorientierung der Medien hat auch dazu geführt, dass uns das vorgesetzt wird, was wir erwarten, eine Hinterfragung von Klischees und Erwartungen gefährdet ja die Einnahmen. Rein abstrakt sind viele Menschen in der Lage, die -teils eingebildete, teils in den Strukturen vorhandene - männliche Überlegenheit mal in den Hintergrund zu drängen. Aber automatische und reflexhafte Reaktionen die ohne Überlegen aus dem Innersten kommen, zeigen doch eine ziemlich einfach gestricktes Bild der männlichen und weiblichen Rangfolge, in den Köpfen. Wer also Frau sein will, muß devot sein. Wer sich devot empfindet, muß sich als Frau wohler fühlen. siehe bitte die Fußnote

d) Viele von uns haben Bedürfnisse, die wir nicht in Einklang bringen können mit unserem Selbstbild. Jede(r) will eigentlich anständig und regelkonform sein, denn, dafür haben unsere Erzieher gesorgt, wer nach den Regeln spielt, wird geliebt. Da auszubrechen ist schwierig. Wenn sich nun Wünsche entwickeln, die den allgemeinen Regeln oder Tabus nicht entsprechen, ist der bequeme Ausweg, zur Erfüllung der Wünsche, zu den begehrten Praktiken gezwungen zu werden. Wie oft finden wir den Ausdruck mann wolle "zur devoten xxx-yyy erzogen werden"? Wobei die yyy wahlweise durch Zofe, Nutte oder Stute, sowie die xxx durch einen speziellen Fetisch zu ersetzen sind. Schaut euch doch bloß die nicks in dem einen oder anderen chat an. So ist die Erfüllung der Wünsche möglich,ohne die Regeln zu brechen, oder das Selbstbild zu stören.

e) Wenn menschliche Phantasien keinem externen Regulativ, z.B. der Diskussion mit dem Partner, oder halt auch im Kreis von "Gleichgesinnten", oder notfalls auch mit einem Therapeuten ausgesetzt sind, entwickeln sie ein Eigenleben. Ich vergleiche das mit einem Kessel, der langsam vor sich hinköchelnd seinen Inhalt mehr und mehr konzentriert. Ein Wunsch, eine Phantasie, ein Fetisch verselbständigt sich, verliert den Bezug zur Realität, wird konzentrierter, und wenn man so will extremer und unrealistischer. Eine harmlose Vorstellung wird so zum existenz- und beziehungsgefährdenden, eventuell auch lebensbedrohlichen Muss.

Belegen kann ich all dies nur durch meinen gesunden Menschenverstand, einen haufen Verweise auf Texte, die Lebensläufe, Phantasien, Fetische zum Inhalt haben, und meine eigene Vergangenheit.

Meine Erfahrung ist es, dass mich der Wunsch nach mehr Weiblichkeit, zusammen damit dass mein persönlicher Fetisch gewisse Verbindungen zum D/s Themenkomplex hat, mich in eine Spirale gezogen hat. Alle oben aufgeführten Effekte haben das Ganze beschleunigt, bis mein Begehren letztlich genau die extremen Dimensionen angenommen hat wie geschildert.

Glücklicherweise war ich in der Lage mich zu öffnen, bevor ich unkorrigierbare Fehler gemacht habe. (Wie zum Teufel die Belege des einen Einkaufstrips schön säuberlich gesammelt und gestapelt auf den Schreibtisch meiner Frau gelangt sind, weiß nur Dr. Freud)

Mein erstes Ausgehen, zeigte mir dass ich in beiden Gestalten der selbe Mensch, mit dem selben einzigartigen Leben, und auch den gleichen Verpflichtungen bin. Dass ich auch so als Mensch akzeptiert werde, dass die Welt nicht untergeht, und dass mich nicht Gottes Zorn trifft, nur weil ich im Rock auf die Strasse gehe.

Dass die Liebe meiner Frau stärker ist als ihre Vorurteile, und in der Lage war, die Erschütterung ihres Weltbildes zu verkraften. Dass wir beide die Zeit investierten um grundlegende Fragen zu klären.

Seit ich vor der Welt, auch vor mir selbst, das tun kann was ich will, oder anders gesagt, glaube zu brauchen oder tun zu müssen, kann ich mit mir selbst frei und unabhängig umgehen, ohne äussere Zwänge oder Spielpartner.

In diesem Sinne, alles Gute, Michi.

Fußnote: jetzt muß ich aber schon richtigstellen dass ich so ein Frauenbild schon sehr seltsam finde. Ich finde es aber durchaus in vielen Postings, Profilen, Selbstdarstellungen wieder. Sollen die, die es trifft doch bitte den Mut haben als devote Männer ihren Thrill zu suchen. Und ned uns armen Transgenders den Ruf verderben

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