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Über die Johanna






Johanna von Orléans (Jeanne d'Arc)
Gedenktag katholisch: 30. Mai
Gedenktag anglikanisch: 30. Mai
Name bedeutet: Gott ist gnädig (hebr.)
Retterin Frankreichs, Märtyrerin
* 6. Januar 1412 (?) in Domrémy, dem heutigen Domrémy-la-Pucelle in Lothringen in Frankreich
† 30. Mai 1431 in Rouen in Frankreich





Dominique Ingres (1780-1867): Jeanne bei der Krönung von Karl VII. in der Kathedrale in Reims
Jeanne, Tochter des wohlhabenden Bauern und Bürgermeisters Jacques Tarc und von Isabelle Romée, hörte im Alter von 13 Jahren im Garten ihres Elternhauses „Stimmen” die sie beauftragten, ein gutes Leben zu führen und Gott zu gehorchen. Mehrere Erscheinungen des Erzengels Michael, der Katharina und der Margareta, beauftragten sie ins benachbarte Frankreich zu gehen und das Land vor den Engländern zu retten.

Im hundertjährigen Krieg versuchte England, die Oberherrschaft über Frankreich zu erringen. König Karl VI., der weithin als „schwachsinnig” galt, hatte seinen Sohn Karl VII., den „Dauphin”, enterbt und den Thron den Engländern zugesagt. Englischen Truppen hatten schon weite Landesteile besetzt, Orléans war eingekesselt, da folgte Jeanne im Februar 1429 den „innere Stimmen”. Durch Vermittlung eines Verwandten wurde sie vom Ritter Robert de Baudricourt in Vaucouleurs empfangen, der ihr eine kleine Begleitmannschaft gab, mit der sie in Männerkleidung mitten durch Feindesland ritt, den Dauphin in der Stadt Chinon erreichte und ihm - im Namen des Himmels - die Rettung Frankreichs und seine Krönung in Reims zusagte. Jeanne überzeugte ihn durch ein geheimnisvolles „Zeichen”; drei Wochen lang ließ Karl VII. durch Kirchenmänner ihre Glaubwürdigkeit prüfen,, schließlich gab er ihr - wohl mehr aus Verzweiflung und Alternativlosigkeit denn aus Überzeugung, eine kleine militärische Einheit und den Auftrag, einen Proviantzug nach Orléans durchzubringen.


Briefmarke der französischen Post von 1968: Jeanne beim Ausfall aus Veaucouleurs 1429
Mit Kühnheit - oft gegen den Rat der Militärs - erkämpfte sie den Zugang nach Orléans und konnte am 29. April 1429 dort einziehen. Die Eingeschlossenen wurden von diesem Erfolg motiviert, wagten den Ausfall und konnten am 8. Mai den Belagerungsring sprengen. Dies war die Wende im Krieg; Jeanne säuberte die demoralisierte Truppe, die Franzosen konnten die Engländer zurücktreiben. Beflügelt von dem plötzlich erwachten Enthusiasmus eines Teils seines Adels zog der Dauphin nach Reims und konnte am 17. Juli 1429 wie verheißen in der Kathedrale von Reims als Karl VII. gekrönt werden; Jeanne nahm, mit der Siegesfahne neben dem Altar stehend, an der Feier teil.

Der Feldzug wurde fortgesetzt, aber der neue König distanzierte sich alsbald von Jeanne, er wollte Frieden schließen, entließ Teile der Armee und versagte ihr die Unterstützung in ihrem Bemühen, die Engländer restlos vom Festland zu vertreiben. Jeanne dagegen betrieb die Befreiung von Paris von den Engländern und den mit diesen verbündeten Burgundern und rückte kämpfend in die Nähe der Hauptstadt vor, die aber mit Unterstützung des größeren Teils der Pariser Bevölkerung erfolgreich verteidigt wurde; Jeanne selbst wurde verwundet. Karl VII. bemühte sich nun erneut - vergeblich - um Versöhnung mit Burgund. Auch der Versuch, mehrere strategisch wichtige Orte am Grenzsaum des Berry zu erobern, war nicht erfolgreich.

Ende März 1430 zog Jeanne erneut gegen Engländer und Burgunder in den Kampf, rückte am 6. Mai in das bedrohte Compiègne ein, wurde aber am 23. Mai bei einem Ausfall des Grafen von Ligny, einem Anhänger der Engländer, gefangen genommen. Der verkaufte sie an die Engländer, diese lieferten Jeanne einem Inquisitionstribunal aus, wo sie vor das geistliche Gericht gestellt wurde. Im Januar 1431 begann der Prozess im Schloss in Rouen, den Jeanne ohne Beistand führen musste. Die Anklage warf ihr vor, sie habe auf Stimmen dämonischen Ursprungs gehört, anstößig Männerkleider getragen und sich der kämpfenden Kirche widersetzt, insgesamt 70 schwere Vergehen und Sünden wie Zauberei und Hexerei, Blasphemie, falsche Weissagung, Grausamkeit, Schamlosigkeit, Hochmut und kirchenspalterisches Verhalten begangen.


Darstellung aus dem Mittelalter: Johanna auf dem Scheiterhaufen
„Ermahnungen”, Jeanne zum Eingeständnis ihrer Schuld zu bewegen, blieben erfolglos; erst am 24. Mai, als man sie öffentlich auf einem Schafott dem Henker überantwortete, beugte sie sich und unterzeichnete einen Widerruf - nicht zuletzt wohl aus Enttäuschung, dass die von „ihren Stimmen” versprochene Rettung nicht erfolgt war. Sie wurde zu immerwährender Haft verurteilt, doch sie hielt ihren Widerruf nicht aufrecht, zog nach zwei Tagen ihre Männerkleidung wieder an, widerrief am 28. Mai ihr erpresstes Geständnis und wurde deshalb am 30. Mai als „notorisch rückfällige Ketzerin” auf dem Marktplatz von Rouen auf dem Scheiterhaufen verbrannt, ihre Asche wurde in die Seine gestreut.

Eine Woche später verbreitete der Vorsitzende des Tribunals, Pierre Cauchon - später Bischof von Beauvais - die Mitteilung, dass Jeanne am Morgen ihrer Hinrichtung erneut abgeschworen und ihre Feinde um Verzeihung gebeten habe.

Da König Karl VII. nicht zulassen konnte, dass er sein Herrschaft einer Ketzerin und Hexe verdankte, ließ er bald nach der 1449 erfolgten Wiedereroberung von Rouen an Ort und Stelle Verhöre durchführen, um die Parteilichkeit der Richter festzustellen. 1452 führten ein päpstlicher Legat und der Inquisitor Jean Bréhal Befragungen durch, die zu einem Gesuch zur Annullierung des Urteils durch den Vatikan führten. 1455 ließ Papst Calistus III. den Prozeß wieder aufnehmen; es wurden Irregularitäten des ersten Prozesses festgestellt und im Urteil vom 7. Juli 1456 die Verurteilung aufgehoben. 1894 wurde Jeanne vom Vatikan als verehrungswürdig eingestuft.


Prosper d'Epinay: Statue, gefertigt 1900 in Rom, seit 1909 in der Kathedrale von Reims
Ab dem 19. Jahrhundert verbreitete sich Jeannes Ruf und die Verehrung in ganz Frankreich, Jeanne wurde zum Stoff von Romanen, Theaterstücken und Gesängen, die teilweise in die Weltliteratur eingingen (=> Literatur). Voltaire hatte schon 1739 sein Komisches Epos „La Pulcelle” mit aufgeklärter Ironie verfasst. Friedrich Schiller schrieb 1802 seine Tragödie über die „Jungfrau von Orléans”, in der er sie als Heldin der nationalen Idee und Verkörperung reiner Humanität zeichnete. Bertolt Brecht nahm das Motiv der Kämpferin für Recht und Freiheit 1932 auf in seinem Drama „Die heilige Johanna der Schlachthöfe”. Giuseppe Verdi schuf die 1845 uraufgeführte Oper „Giovanna d'Arco”, Peter Tschaikowski die 1881 in St. Petersburg erstmals gespielte Oper „Orleanskaja Deva”.

Jeanne nannte sich selbst „la Pucelle”, „die Jungfrau”, ihr Heimatort nennt sich heute danach Domrémy-la-Pucelle; ihr Geburtshaus ist erhalten, daneben ist ihr ein Museum gewidmet. An ihrer Hinrichtungsstätte in Rouen steht heute ein Denkmal, daneben die 1979 eingeweihte und nach ihr benannte Kirche.

1867 wurden vermeintliche Reliquien von Johanna auf dem Dachboden einer Apotheke in Paris entdeckt, sie trugen die Aufschrift: „Überreste, die unter dem Scheiterhaufen von Jeanne d'Arc, Jungfrau von Orléans, gefunden wurden.” Sie wurden dann in Chinon aufbewahrt; eine Untersuchung zeigte im Jahr 2007, dass die vermeintliche Rippe der Johanna tatsächlich von einer Ägyptischen Mumie aus vorchristlicher Zeit stammt. Die Wissenschaftler vermuten nun, dass mit dem angeblichen Reliquienfund die Seligsprechung Jeannes vorangetreiben werden sollte.



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