Userprofil von Triona

Zurück | Email an Triona, trionalichtherz-aue.de

Menü

Hauptprofil ansehen
Text: Welche Rolle spielen Transvestiten im Spannungsfeld zwischen Männern und Frauen
kurzer Aufsatz, April 2004
Text: Hinweis Links (Disclaimer)
Text: über Triona
November 2009
Text: Unterschiedliche Reaktionen auf Zwischengeschlechtlichkeit
Das Beispiel TOKIO HOTEL, August 2007, September 2009
Text: Urheberrecht
Text: Die Legende von TRIONA TESTAFERRATA - principa transamazonica
August 2007, ergänzt September 2009
Text: Was ich sonst so mache
Fotoalbum: Mundharmonika Live Klingenthal 2001
Fotoalbum: Mundharmonika Live Klingenthal 2005
Fotoalbum: Mundharmonika Live Klingenthal 2006
Fotoalbum: bei MARY, 07.12.06, Stadthalle Zwickau
Fotoalbum: Mexico-Dirndl
Sommer 2006
Fotoalbum: Schweiz Mai 2006
Heidiland
Fotoalbum: Schweiz Mai 2006
Via Mala
Fotoalbum: Schweiz Mai 2006
Kuhflüsterer im Appenzeller Land
Fotoalbum: lang, lang ist's her
1956, 1970, meine Mutter 1951
Fotoalbum: Gruß aus Wien
Juni 2007
Fotoalbum: TRIONA TESTAFERRATA principa transamazonica
Burgfest Hartenstein Juli 2007
Fotoalbum: beim Trachtenfest
Schlitz, Juli 2007
Fotoalbum: Schwangerschaftstest
Uwe Krumbiegel, Bearbeitung Triona
Fotoalbum: TRISKELL
Fotoalbum: Paderborn
Juni 2007
Fotoalbum: mit Alice in Berlin
bei der Veranstaltung zu Simone de Beauvoir am 09.03.08
Fotoalbum: Pipi im Grünen
Königstein August 2005
Fotoalbum: neue Dirndlbilder 2008
Fotoalbum: Triona als "Knödelfanny"
November 2008
Fotoalbum: Mundharmonika Live Klingenthal 2009
mein neues Dirndl in lila-schwarz
Fotoalbum: auf Arbeit
Fachmesse Intermot 2008 in Köln
Meine Links
Meine Freundinnen
Gästebuch

Welche Rolle spielen Transvestiten im Spannungsfeld zwischen Männern und Frauen

Was manchen Frauen, besonders Feministinnen möglicherweis etwas abseitig vorkommen mag, erscheint mir gar nicht so, wenn frau sich vor Augen häIt, was für ein Frauenbild anscheinend die meisten männlichen Transvestiten im Kopf haben. (Das Männerbild weiblicher Transvestiten wie auch deren Frauenbild ist zwar auch interessant, wird in diesem Aufsatz aber nicht näher untersucht.)

Bestimmt dieses Bild von der Frau doch wesentlich, wie sie ihren Auftritt in der Frauenrolle zum Ausdruck bringen. Vom traditionellen Weibchen, untergeordneten Mäuschen, aufgedonnerten Sexualobjekt (meist mit überdurchschnittlich großen Brust-Attrappen), Nuttenausstattung, hochhackigen Schuhen oder anderer bewegungsbehindernder Kleidung, erniedrigender oder entwürdigender Kleidung Kaiserin Sissy-Kostümen, Brautkleidern (!), bis zum Abziehbild der regelrecht verblödeten Tussi a la Barbie (schauspielerische Darstellung eines lebenden Blondinenwitzes - oder erkenne ich hier etwa die Parodie nicht richtig?-), einschließlich aller erdenklichen Fetisch-Vorstellungen aus einschlägigen frauenfeindlichen Männerfantasien (einschließlich Pornografie) ist da so nämlich alles drin. Wer Anschauungsbeispiele sucht, schaue sich bloß mal entsprechende Seiten im Internet an.

Und obwohl diese Minderheit recht groß zu sein scheint, sind frauenfreundliche oder gar
emanzipierte Frauenbilder hier ausgesprochen selten. Oft ist in einer reinen Frauenrunde ein Transvestit die einzige "Frau", die Rock oder Kleid trägt. Bisweilen blühen sogar Fantasien von der Rolle der Frau als Dienerin oder Sklavin, wie Kammerzofen-Fetischismus u.ä. Berührungspunkte dieser anscheinend ziemlich ausgeprägten Randszene in der Szene mit der Sado-Maso- und Domina-Szene sind wohl nicht zufällig.

Dabei kann das Eintauchen eines Menschen in die andere Geschlechterrolle durchaus
eine Erfahrungsmöglichkeit sein für eine Emanzipation von überkommenen Geschlechterrollen, unabhängig davon in welcher Richtung die Grenze überschritten wird. Zumindest erscheint mir dies möglich für ,,Menschen, die sich von Geschlechterrollen, erwarteten Verhaltensweisen, etc." - auch festgeklopften Machtstrukturen - ,,vergewaltigt und erdrückt fühlen und sie ablehnen." Und das nicht nur bei jungen Menschen und auch nicht nur bei Männern. Womit ich allerdings auch nicht mißverstanden werden möchte, daß ich Transvestismus als heilsbringende politische Strategie zur Lösung der Geschlechterfrage oder so etwas ähnliches ansehen oder verkünden wollte.

Naturgemäß legen Transvestiten sehr viel Wert auf das äußere Erscheinungsbild -
schließlich scheint ja dies den Transvestismus geradezu auszumachen. Aber Kleidung
wirkt eben nicht nur nach außen, d.h. auf andere, sondern auch nach innen, d.h. auf die
Person, die sie trägt. Transvestieren fängt zwar manchmal im Kopf an, wirkt sich aber
auch auf den Kopf aus. So bestimmt das Frauenbild im Kopf eines Mannes mit Sicherheit seine Äußerungen beim Spielen einer Rolle - und nicht nur grenzüberschreitend, sondern auch "normal". Und vom Bild einer Tussi bis zur mehr oder weniger emanzipierten Frau ist wohl alles möglich, auch als Rollenmodell beim Transvestieren. Und Frauen, die ,,die Hosen anhaben", sind ja schon sprichwörtlich und wecken bei vielen Männern auch heute noch unbestimmte Angstgefühle bis offenen Haß.

Simone de Beauvoir sagte einmal, eine Frau wird nicht geboren, eine Frau wird gemacht. Dies gilt wohl auch für Männer. Zumindest für das Erlernen und Verinnerlichen von gesellschaftlichen Rollenmodellen scheint mir diese These nachvollziehbar. Fängt dies doch schon an mit unterschiedlicher Kleidung für Kleinkinder, wobei die Zuordnung rosa - hellblau vor nicht so langer Zeit genau entgegengesetzt war. Auch wurden Jungen
früher oft wie Mädchen gekleidet, bevor sie ,,behost" wurden, bzw. statt kurzen lange
Hosen tragen durften.

Dabei ist nicht nur die gesellschaftliche Umgebung und deren Erwartungshaltgng von
Bedeutung. Vielmehr kann der/die Einzelne auch selbst Einfluß auf diesen Vorgang
nehmen. Wobei dies erfahrungsgemäß recht schnell an enge und schroffe Grenzen stößt. Und jeder Versuch, die Grenzen zu überschreiten führt im Konfliktfall zu Zurechtweisung oder Bestrafung.

Nicht erklärbar erscheinen mir damit allerdings die zumindest teilweise fehlgeschlagenen
medizinischen Experimente und Therapien von Dr. Money in den USA, der Kleinkinder
mit nicht eindeutig festlegbarem Geschlecht wie auch einige kleine Jungen mit
verstümmeltem oder abhanden gekommenem Penis durch ,,Geschlechtsneuzuweisung"
sowohl chirurgisch als auch psychiatrisch und erzieherisch behandelte.

Nicht zuletzt bedeutet das Auftreten eines Mannes in der Frauenrolle auch einen sozialen Abstieg in den Augen der Umgebung. Das Auftreten von Frauen in der Männerrolle wird dagegen häufig als Streben nach sozialem Aufstieg verstanden. Bei Transsexuellen, d.h. Menschen, die sich als Gefangene im Körper des anderen Geschlechts fühlen, und die dieses Problem heutzutage oft durch eine operative "Geschlechtsanpassung" zu lösen versuchen, hat dies in mindestens zwei mir bekannt gewordenen Beispielen von Mann-zu-Frau Transsexuellen zu sofortigen Einkommenskürzungen in beträchtlicher Höhe durch die ,,toleranten" Arbeitgeber bzw. Geschaftspartner geführt - legal und anscheinend auch erfolgreich durchgesetzt.

Andererseits mußte der österreichische Transsexuelle (oder besser Intersexuelle) Erik Schinegger die Weltmeisterschafts-Goldmedaille im Schilauf von Erika Schinegger nach etlichen Jahren nachträglich zurückgeben. Soweit mir bekannt ist war damals nicht die heute allgegenwärtige Auseinandersetzung um das männliche Geschlechtshormon Testosteron als Dopingnittel ausschlaggebend. Ich denke, daß dies wohl eher die gesellschaftliche Einschätzung der auf der Piste einem ,,Mannweib" unterlegenen Frauen als Angehörige des ,,schwachen Geschlechts" und eine daraus abgeleitete eingebildete Wettbewerbsverzerung gewesen sein wird.

Nun beinhaltet aber Transvestismus nicht nur die Frage des Geschlechts und die
Überschreitung von Geschlechtsgrenzung durch Kleidung. Es kann auch das Alter eines
Menschen sein - durchaus gefordert vom heutigen Jugend-Diktat in Werbung und Mode,
Rollentausch Kind - Eltem, der Zeit (Mittelalter, Rokkoko, Biedermeier, alte Volkstrachten, usw.), Rasse, Nationalität oder Kultur, dazugehörig oder ausgegrenzt jugendliche Subkulturen, Verschwörungen, Schwule, usw., siehe auch Rosa Winkel in KZ, Judenstern u.a. (freiwillig oder erzwungen), die Rolle eines Menschen als Subjekt oder Objekt (Hure oder Freier, Herr oder Sklave), Vertretung von Staatsmacht (Soldat/Polizist - Zivilist), Vertreter göttlicher Macht (Amtskleidung kirchlicher Würdenträger, im Beispiel der legendären Päpstin Johanna zusammen mit Geschlechterrollen-Transvestismus), gesellschaftlicher Rang, Stand, Klasse, mithin seine/ihre Stellung im gesellschaftlichen Machtgefüge. Sprichwörtlich sind hier die literarischen Beispiele von Gottfried Kellers ,,Kleider machen Leute" vorn Schneider als Graf oder vom Hauptrmann von Köpenick als erfolgreichem Trickbetrüger.

Auch gibt es z.B. in einigen Staaten der USA noch heute Gesetze, die Geschlechtstransvestimus verbieten. Und dies sind nicht verstaubte alte Zöpfe, sondern sie werden heute noch mit harten Strafen durchgesetzt. Weitaus zahlreicher sind allerdings Gesetze aus der Geschichte vieler europäischen Staaten in Mittelalter und früher Neuzeit gegen das Transvestieren der gesellschaftlichen Rolle, sogenannte Aufwandsgesetze oder Luxusgesetze und allerlei Kleiderordnungen, z.B. von Zünften u.a. Noch heute gilt das unberechtigte Tragen von Polizeiuniformen u.ä. als strafbare Amtsanmaßung. Auch bei der Frage der Schuluniformen zwecks äußerer Einebnung sozialer Unterschiede spielen ähnliche Gedankengänge eine Rolle.

Die alte Sitte im Travestie-Theater, daß der Künstler am Ende der Vorstellung bei der Publikumsverabschiedung die Apfelsinen aus dem BH und die Perücke vom Kopf nimmt, hat wohl ähnliche Hintergründe und ist in manchen Staaten der USA noch heute geschriebenes Gesetz.

Die Entwicklung der Karnevalsbräuche besonders im Rheinland mit seinen zahllosen
Uniformträgern sei hier ebenfalls erwähnt. Ist doch der Karneval fast weltweit in
zahlreichen Kulturen seit Jahrhunderten stets wiederkehrend das transvestische Großereignis des Jahres, das sämtliche Dimensionen der Sache irgendwie berührt. Ausdrücklich nennen will ich hier nur den Gesichtspunkt der Parodie auf die Machtfrage, die Ventilfunktion und den relativen Freiraum für Experimente.

Das Wort Transvestismus beinhaltet Grenzüberschreitung durch Kleidung in jeder möglichen Hinsicht und nicht nur die Geschlechterrolle betreffend. Allerdings scheint der
Geschlechterrollen-Transvestismus das gesellschaftliche Machtgefüge an einer ausgesprochen empfindlichen Stelle zu treffen. Der Grenzbereich zwischen Mann und Frau ist starken Tabus unterworfen. Die Ideologie zur Beherrschung der einen Hälfte der
Menschheit durch die andere wird ja mit recht willkürlichen und künstlichen Mitteln und
Rollenmodellen konstruiert. Eine Verwischung der Grenzen durch vorwitzige, subversive
oder auch nur lustorientierte Grenzgänger/innen erscheint hier manchen Kräften wohl
schnell als grundlegender und gefährlicher Angriff auf das Ganze. Jede Grenzüberschreitung stellt hier anscheinend zumindest unbewußt oder unterbewußt die herrschenden Machtverhältnisse in Frage, zumindest von der Möglichkeit her.

Dies zeigt ein Blick auf die Reaktionen der Umwelt auf Transvestiten. Diese sind nach
Geschlecht betrachtet meist sehr unterschiedlich. Viele Frauen scheinen mir männlichen
Transvestiten gegenüber eher wohlwollend freundlich, bis hin zu Reaktionen, die ich
beinahe als ,,Verschwisterung" deuten würde, als eine Art augenzwinkernde ,,klammheimliche Solidarität".

Männer neigen dagegen zu großen Teilen eher zu Befremdung, Unverständnis, haufig zu mehr oder weniger schroffer Ablehnung, von beißendem Spott und Verunglimpfung bis zu massiver Gewaltandrohung oder Gewaltanwendung. Schwulenfeindlichkeit und die häufig anzutreffende spontane Verknüpfung von Transvestismus und Homosexualität - egal ob im Einzelfall gegeben oder nicht - spielt hier sicher auch eine große Rolle.

Die Reaktionen der Durchschnittsmänner auf weibliche Transvestiten sind ja auch bekannt, man denke nur an die Beschimpfungen als Mannweiber, oder so fabelhafte Theorien wie Penisneid, wie auch die Furcht, daß Frauen - und das womöglich noch unbemerkt - in geschützte Bereiche der Männer eindringen könnten.

Außerdem scheint mir der Anteil von Menschen, die Transvestismus im Alttag überhaupt
nicht bemerken, bei Männern höher zu sein als bei Frauen. Unterstützt wird dies sicher
auch durch die Tatsache, daß der Anblick von Frauen mit Hosen und kurzen Haaren
heute eher vorherrschend ist und nicht mehr auffällt, während Männer in Röcken oder
Kleidern meist sofort Aufsehen erregen, das auch schneller zu öffentlichen verbalen oder körperlichen Haßreaktionen ausufert.

Ähnliche Beobachtungen sind auch möglich in nicht geschlechtsgemischten Gesprächsrunden, auch ohne (sichtbare) Beteiligung von Transvestiten. Wenn ein einzelner Mann unter Frauen sich an sogenannten frauenspezifischen Gesprächsthemen (in angepaßter Art und Weise) beteiligt, kann es geschehen , daß bald überhaupt niemanden mehr aufzufallen scheint, daß ein Mann dabei ist. Frauen scheinen hier ohne viele Worte eine höhere Integrationsfähigkeiten zu haben.

Männer hingegen müssen ihre Skepsis bzw. ihr Erstaunen gegenüber einer auch noch so kumpelhaft auftretenden einzelnen Frau laufend wortreich betonen, erst recht wenn sie irgend etwas besser kann, als die anwesenden Männer. Männer scheinen hier ein höheres Abgrenzungsbedüfnis zu haben.

Wenn gar ein einzelner Mann in reiner Männerrunde feminismusverdächtige Außerungen macht, oder auch nur nicht über frauenfeindliche Witze lachen kann oder sich als Sitzpinker entlarvt, ist er schnell der Lächerlichkeit preisgegeben, oder er muß wohl schwul sein.

Bei allen anscheinenden Bedrohungen der Machtverhätnisse der Geschlechter schlägt
also sehr häufig blanker Frauenhaß durch. Und der männliche Grenzübertreter spielt bei
diesem Vorgang die Rolle des Verräters. Nun wird der Verräter gewöhnlich immer
schärfer angegriffen als der eigentliche Feind. Schließlich fördert er ja die Zersetzung der Front in den eigenen Reihen - erwiesenermaßen ein entscheidender Faktor für Niederlagen.

Auf der anderen Seite wird der Verräter aber auch bei der anderen Partei, zu der er
überläuft, eher mit gemischten Gefühlen betrachtet. Wer sagt schließlich, daß er nicht bei nächster Gelegenheit wieder zur anderen Seite überlauft. Wird doch Verrat auch gerne als durch den (schlechten) Charakter eines Menschen bedingt angesehen. Im Falle von Transvestismus kann obendrein nicht in jedem Fall vorausgesetzt werden, daß er in jeder Hinsicht auf gezielten und bewußten Entscheidungen beruht.

Hier meine ich eine gewisse Parallele zur Stellung eines feministischen Mannes in der
heutigen Diskussion um die Befreiung der Frau zu erkennen. Ein feministischer Mann ist
für alle Macht-Männer sicher eine starke Bedrohung ihrer bevorzugten Stellung. Er ist ein Verräter. Und für die Frauen - nicht nur für die feministischen - ist ja nicht sicher, daß es sich um einen wirklichen ,,Bruder" handelt, d.h. um einen aufrichtigen und verläßlichen Verbündeten. Schließlich muß sich auch und gerade der feministische Mann an seinen Taten messen lassen.

Und solange der Geschlechterkampf nicht dazu führt, daß die Stellung der Frauen nicht
wirklich gehoben und verbessert wird, begibt er sich im großen Ganzen immer noch auf
einen Abstieg. Und freiwilliger Verzicht auf tatsächliche Macht, auf Annehmlichkeiten
und Vorteile gegenüber Mitmenschen, erscheint vielen Menschen in der heutigen Welt
nicht ohne Weiteres gleich als glaubwürdig.

An dieser Stelle nochmal kurz zurück zum oft zwiespältigen Gefühl vieler Menschen
gegenüber Transvestiten. Egal welchen Geschlechts sie sind und in welcher Richtung sie Grenzen überschreiten, oder ob sie gar die Anerkennung eines ,,dritten Geschlechts" zwischen den bestehenden starren Grenzen fordern - egal ob nur für sich oder als allgemein anerkannte Wahlmöglichkeit für alle Menschen - Transvestiten beanspruchen die Möglichkeit jederzeitiger und bei jedem Transvestieren allgemein möglicher und vollzogener Rückkehr zur alten, allgemein anerkannten Rolle - sozusagen ein Schlupfloch zur Flucht aus dem Auge des Hurrikans.

Das gilt sowohl für Manner, die den gesellschaftlichen Abstieg zur Frauenrolle dann vielleicht doch nicht immer als so toll erleben, wie auch für Frauen, die sich vielleicht in der "harten Männerwelt" doch nicht so vorteilhaft durchsetzen konnten. Der Transvestit kann wieder zurück in seine privilegierte Rolle als Mann, u.a. auch, um unter besseren Bedingungen seine Brötchen und die Mittel für sein Transvestitendasein zu verdienen.

Die Transvestitin kann wieder zurück in die beschränkte, aber vertraute und relativ sicher scheinende Rolle als Hausfrau oder als unterbezahltes, aber unbeschwertes Büromäuschen, oder in eine zweifelhaften Rolle als Luxusweibchen. Das selbe gilt für jede Form von ,,Aufstiegs-Transvestiten", die den scharfen Wind in höheren Lagen doch nicht immer vertragen, wie auch für ,,Abstiegs-Transvestiten", denen dann das Elend doch zu groß wird.

Das Mißtrauen von Menschen, die sich Grenzüberschreitungen nicht trauen oder diese
nicht erstrebenswert finden, kann durchaus eine Art Neid erzeugen, zumindest aber ein
gewißes Abgrenzungsbedürfnis gegenüber Menschen, die nach den süßen Früchten in
anderer Leute Garten greifen und dabei auf diejenigen in ihrem eigenen Garten nicht
verzichten wollen. So wie auch ein feministischer Mann zumindest unter den
herrschenden Verhältnissen immer die Möglichkeit hat, die Sache der Frauen wieder zu
verraten. Das gilt übrigens für jede Form von Transvestismus, nicht nur für den zwischen
den Geschlechterrollen.

Ähnlich erklärt sich vielleicht das schleichende bis offene Mißbehagen mancher Frauen,
nicht nur innerhalb der feministischen Diskussion, wenn Männer als Feministen auftreten
- im Einzelfall vielleicht noch mit recht lauten Tönen, sozusagen als ,,bessere Frauen"
und die radikaleren Feministen. Schließlich legt mann seine gewohnte Männerrolle nicht
einfach ab wie ein Kleidungsstück.

Auch ich habe manchmal das Gefühl, daß es anmaßend gegenüber Frauen und Frauenbewegung wäre, mich breitbeinig als ,,Feminist" hinzustellen, wenngleich ich mich in der herkömmlichen und aufgezwungenen Männerrolle schon lange nicht mehr wohl fühle.

Allerdings: Die Schaffung herrschaftsfreier Räume schafft die Herrschaft ab - zumindest
von der zukünftigen Möglichkeit her.

ARIELL (=Triona)

April 2004

Regelverstoss ? Melde an Admin

Text "Welche Rolle spielen Transvestiten im Spannungsfeld zwischen Männern und Frauen" 270 Zugriffe