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bio

Wie fühle ich mich als Frau:
Wenn ich mich ganz auf meine weibliche Seite einlasse, konnte ich feststellen, dass ich eine erhöhte Sensibilität zeige. Das betrifft die Sinneswahrnehmungen und meine Gemütsverfassung.
Beim Sehen erlebe ich die Umwelt ganz stark in all ihren Farben und Formen. Diese Fähigkeit ermöglich mir das bewusste Sehen und Betrachten von zB.: Malerei und Inszenierungen, hat aber auch zur Folge, dass ich die Stadt mit ihren Modehäusern zu Zeiten des Erbscheines der Frühjahrs- und Sommermode ganz gezielt meiden muss, um nicht in Kaufrausch oder Depression zu verfallen.
Beim Riechen kann ich die Veränderung des körperlichen Zustandes der Menschen in meiner Umgebung erkennen – gemischte Toiletten, so wie sie derzeit modern zu werden scheinen, sind mir dann ein Greul.
Mein Geschmack verändert sich erst nach einigen Tagen und dann bevorzuge ich vegetarische Kost vor Fleisch.
Nach meiner Einschätzung ist es aber der Tastsinn, bei dem ich die größten Unterschiede bemerken kann. In meiner männlichen Erscheinungsform bin ich eigentlich unempfindlich gegenüber Verletzungen der Haut bzw. gegenüber den Auswirkungen des Wetters und eher ungeschickt was Berührungen angeht. Linda hingegen liebt das Berühren und wenn zarte Stoffe den Körper umschmeicheln.

Was heißt Frau- sein für mich:
Frau sein heißt für mich die weibliche Erlebniswelt zu erfühlen und zu erleben. Dabei kann ich nachfolgendes anführen:
Gesellschaftlich zugeordnete weibliche Tätigkeiten
Tätigkeiten, die die Gesellschaft der weiblichen Seite zugeordnet hat, mache ich eigentlich gern. Ich koche, packe, nähe, bügle, …, putze – kurzum ich kümmere mich um den Haushalt und das macht mir Freude.
Aussehen
Ich trachte danach mein Aussehen weitestgehend einer weiblichen Erscheinung anzupassen – also ein gutes passing zu haben. In der Jugend war das sehr leicht und jetzt im Alter ist es ebenfalls wieder viel leichter geworden.
In erste Linie will ich mit mir selbst zufrieden sein und mir selbst gefallen.
In zweiter Linie will ich der Gruppe von Frauen gefallen, zu der ich mich hingezogen fühle und er ich angehören will. Ich denke, dass dieses Sehnen in meinem derzeitigen Lebensabschnitt mir zum Wichtigsten geworden ist.
Gegenüber Männern habe ich den Wunsch begehrt zu werden. Zu kokettieren und Männern zu gefallen – insbesondere in meinem Alterssegment - scheint mir die leichteste Übung. Besonders einfach stellt es sich mit Fotographien dar. Ich weiß, wie ich mich zu präsentieren habe um anziehend, erotisch oder geheimnisvoll zu wirken.
Fühlen und leben als Frau
Ich will als Frau unter Frauen leben, mit Frauen sprechen und mich mit Freundinnen austauschen.
Ich möchte die Fähigkeit haben einen Mann als Frau in mir aufnehmen zu können – in diesem Sinn kann man von einem „Vagina-Neid“, den ich gegenüber Cis-Frauen empfinde, sprechen. In einer erweiterten Form des tuckings arbeite ich aber daran und bin mit dem bisherigen Erreichten sehr zufrieden.
Kinderwunsch war für mich nie ein Thema, ich kann mir aber gut vorstellen, dass transidente Frauen mit einem männlichen Partner diesen entwickeln.

Meine Bio:
Meine ersten frühkindlichen Erinnerungen bewegen sich, um ein Verbot mit der Nachbarstochter zu spielen. Anstelle dessen wurde mir ein Püppchen gekauft, mit dem ich ausnahmslos zu Hause spielen durfte.
Wie bin ich meinen Eltern dankbar, dass sie nicht versucht haben mich durch ein Schleppen zu Ärzten und Psychologen „heilen“ zu lassen. Durch ihren recht pragmatischen Ansatz konnte ich eine ungestörte Kindheit und Jugend erleben mit der einzigen Einschränkung, dass ich erkannt hatte, „dass es Dinge gibt, über die man nicht redet und die im Verborgenen zu bleiben haben“. An diese Lektion habe ich mich, seit ich mich erinnern kann, gehalten.
Wir hatten damals in einer kleinen Siedlung am Land gewohnt und jeder hat so ziemlich alles über den anderen gewusst. Meine Eltern hatten sich durch ihr Vorgehen vor dem nacheilenden Mitgefühl, dass der kleine Junge „anders sei“ und vor dem Spott der Umgebung geschützt und sich so an einem heranwachsenden Jungen erfreuen können.
Ich hatte daher nicht das Gefühl, dass ich anders als die anderen Kinder wäre, dass etwas mit mir nicht stimmen würde und ich wurde auch vor „Heilungsversuchen“ geschützt. Das ich nicht mehr mit der Nachbarstochter spielen durfte hatte mir sehr leidgetan, aber ich hatte ja meine große Schwester und meine Puppe.
Im Alter von acht bis vierzehn trug ich im Geheimen die Kleider meiner älteren Schwester und meine Sexualität entwickelte sich in Mädchenart – drücken von Polstern und Decken zwischen den Beinen. Dabei träumte ich immer, dass mir etwas in meine Hautfalte [die ich natürlich nicht hatte – Vagina!] hineingesteckt werden würde. Diese Vorstellung hatte mich damals außerordentlich aufregt und ich hatte furchtbare Angst davor.
Ich war damals sechzehn, als durch meine Freundin mein Glied in sexueller Absicht das erste Mal berührt wurde. Das hat furchtbar weh getan und ich war den Tränen nahe, habe aber hingehalten und sie machen lassen und mir gedacht, dass es ebenso ist, wenn man Mann wird. Habe erst danach selbst an mir herumprobiert und nach etwa einem dreiviertel Jahr hatte ich beim Verkehr den ersten richtigen Orgasmus als Mann.
Ich war eher ein zartes, mageres Kind und schwächlicher Jugendlicher. Ich hatte nur wenige Freunde und auch mit meinem besten Freund hatte ich nie ein Wort über Sexualität bzw. über meine Gedanken und Vorstellungen gesprochen. In der Unterstufe war ich eher ein schlechter Schüler – mein Kopf war immer voll mit den Gedanken an Kleider und der o.a. Angst.
Mit einem Orts- und Schulwechsel in der Oberstufe änderte sich für mich vieles. Die schulischen Leistungen verbesserten sich und ich wurde Klassenbester und verblieben so bis zur Matura.
Krise in den Zwanzigern, Versuch das Leben in sehr männlicher Art und Weise zu leben – Berufswahl, Leistungssport, exzessive Lebensführung, Familie – und dazwischen immer wieder meine weibliche Seite.
Hatte im Alter von 19 Jahren geheiratet und eine Familie gegründet. Ich war ein liebevoller Ehemann und Familienvater, und auch bemüht meiner Familie den nötigen materiellen Rückhalt zu geben – was mir auch gelungen ist. Dahingehend kann ich mich als Musterbeispiel der Erfüllung der gesellschaftlichen Norm bezeichnen.
Ich muss damals siebzehn gewesen sein, als im Fasching ein Ersatz für ein Mädchen einer Maskengruppe gesucht wurde. Ich willigte ein, mich verkleiden zu lassen, um die Gruppe zu vervollständigen. Meine Freundin und ihre Schulkolleginnen hatten großen Spaß mich zu schminken und anzuziehen und auch ich fühlte mich gut dabei. Die Erinnerung an dieses Ereignis ist auch nach den Jahren ganz plastisch in meinen Gedanken verankert. Eine Woche vor dem Faschingsfest wurde ich auf einen Sessel gesetzt und die Mädchen haben mich geschminkt, eine Perücke aufgesetzt und mir Rock, Bluse und Schuhe hingelegt. Sie waren von meinem Aussehen begeistert und auch ich hatte mir gefallen. Vor dem Ball hatte ich mir dann noch die Beine und Arme rasiert und wurde eingecremt, damit meine Haut weicher erscheinen würde. Der Ball war dann ein voller Erfolg. Unsere Mädchengruppe wurde prämiert. Die Burschen hielten mich für eine andere junge Frau und ich hatte an diesem Abend einen großen Spaß und tanzte viel. Zu Veranstaltungsende wurden wir zu mir nach Hause gebracht. Ich wohnte damals in einer kleinen Wohnung in Untermiete. Meine Freundin schlief noch, als ich am Morgen danach aufstand und ich mir mein „Faschingskostüm“ noch einmal anzog. Der Stachel des Sehnens, Begehrens und Träumens hatte sich in meine Seele gebohrt. Dieses Ereignis war für mich der Toröffner – was in mir drinnen war musste raus.
Ein hohes Arbeitspensum, fordernde berufliche Aufgaben sowie intensive sportliche Betätigungen hatten sich immer stabilisierend ausgewirkt. In dieser Zeit hatte ich mein Begehren für einen Tick gehalten, für eine Spinnerei, die als Ausgleich zu meinen Tätigkeiten diente. Ich hatte mehrmals meine „Sachen“ rituell im Mistkübel versengt und mir vorgenommen sie nie wieder anzugreifen, doch von gelegentlichen Auftritten als Frau wurden wöchentliche bis hin zu fast täglichen nächtlichen Ausgängen im Laufe der Jahre. Das Begehren und der Wunsch eine Frau zu sein wurde immer stärker.
Wie oft hatte ich mir gewünscht, so wie Orlando einzuschlafen und als Frau zu erwachen.
Nichts ist mehr da von meinem Leben – Ich fühlte mich wie in einem Zug - früher war ich im Personenzug, der gemütlich dahinfuhr und ich konnte aussteigen. Dann wurde der Zug schneller und jetzt bleibt er nicht mehr stehen - ich konnte nicht mehr aussteigen. Es nahm mich mit….
Ich hatte auch die Angst: „jetzt verrückt zu werden“. Unter Tags zwang ich mich meine Arbeit zu erledigen und die Nächte hatte ich nur mehr geweint. Ich befand mich wirklich am absoluten Tiefpunkt. Damals ist Linda aus Tränen entstanden – und sie hat ihr Recht auf Leben eingefordert.
Es muss so um 1999 herum gewesen sein. In dieser schwierigen Phase waren die Gespräche mit der Community für mich sehr tröstlich.
Nach den Gesprächen mit anderen Betroffenen wurde mit klar, dass es „Orlando“ so nicht gäbe. Ich verstand, dass der Weg der Transition eine Zeit von drei bis fünf Jahren in Anspruch nehmen würde. Ich glaube, im Jahr 2000 hatte ich mich entschieden diesen Weg einzuschlagen und mich daran gemacht meine „Baustellen“ wie Familie, Schulden, Berufswahl, etc. der Reihe nach abzuarbeiten.
Ich war sehr zuversichtlich und genoss die Freiheit, die ich durch meine Entscheidung gewonnen hatte, sehr. In dieser Zeit wurde ich als Freundin von einer Kollegin angenommen und wir verbrachten viel Zeit miteinander. Dass ich mich in so einer Situation in sie verlieben würde, war überhaupt nicht beabsichtigt. Als sich meine Freundin von ihrem Freund getrennt hatte wollte ich eine Beziehung mit ihr eingehen, aber sie wollte keine diesbezügliche Verbindung mit einer Frau. Diese Liebe wollte ich nicht mehr verlieren und daher habe ich die Transition abgebrochen/unterbrochen.
Ein Wenig von Orlando habe ich ja auch in mir.
Vor mehr als 40 Jahren hatte ich in Wien Bälle eröffnet (Philharmonikerball etc.). Was war das für ein herrliches und erhebendes Gefühl im Linkswalzer übers Parkett zu schweben – hatte mich damals ganz im Geiste des ausgehenden 19ten Jahrhunderts verstanden.
Und Linda wollte auch einmal so etwas wie eine Prinzessin sein und auf die Redoute im Palais Ferstl gehen. Hab mir ein wunderschönes, weitschwingendes dunkelblaues Ballkleid gekauft – und damit ich nicht so nackt bin – einen Spitzenpulli zum unterziehen – und Maske, Schuhe und alles was dazugehört. Hab mich sorgfältig vorbereitet auf den Ball, doch vor dem Hineingehen hatte ich gezögert und bin umgedreht.
Dieses Umdrehen hatte ich ursprünglich für intuitive Warnzeichen gedeutet, aber ich habe darüber nachgedacht und bin in mich gegangen. Es war keine Vorsicht – nein, ich hatte mich selbst nicht richtig wohl gefühlt in so einem schönen Ballkleid. Über die Woche hatte ich daran gearbeitet und mich entschlossen meine Haare, die schon in die Jahre gekommen waren, zu erneuern (kein Ball ohne schöne Frisur!).
Am Mittwoch dann habe ich das Perückengeschäft in Meidling betreten – die Bedienung und Beratung war außerordentliche professionell – und sehr diskret und einfühlsam. Hatte dann eine Perücke gefunden – braun mit hellen Streifen, die mir sehr gut zum Gesicht gepasst hatte. Aus Neugierde habe ich dann die Filialleiterin gebeten mir eine Perücke in meiner derzeitigen Originalhaarfarbe zu zeigen.
Als ich mich dann im Spiegel gesehen habe, war es für mich wie ein Schlag. Ich wusste sofort – das bin ich – ganz wahrhaftig! Ich hatte mit mir zu kämpfen, aber letztlich hat auch Linda ihr Alter angenommen.
Am Freitag war dann eine über 60-jährige Frau am Blumenball. Was für wunderschöne Kleider die jungen Damen anhatten – sehr figurbetonend und farblich genau auf den Typ abgestimmt – es war ein Fest für die Augen. Von der Organisation des Balles waren auch Taxitänzer (die als „Prinzenrolle“ maskiert waren) eingeteilt. Was sind die Männer nur für Tanzmuffel! Ganz junge Frauen (alle sehr hübsch) hatten keine Tänzer. Was für eine Schande! Hätte mir ja auch gerne so einen Prinzen geangelt, aber bis knapp vor Mitternacht hatten sich die Prinzen erst bis 40+ hochgearbeitet - im Boogie-Saal gab es keine Prinzen - dort hätte ich mir einen gekrallt! Ich liebe diese Musikrichtung. Das tanze ich besonders gern. Bei R&R muss ich einfach tanzen! 40er – 50er Jahre Musik gefällt mir - und vor allem die dazugehörige Mode.
So wie es sich für ältere Damen gehört, habe ich dann den Ball so um Mitternacht verlassen und einen kleinen Topf mit Mini-Märzenbecher bekommen –ganz nach dem Ballmotto „Frühlingserwachen“ – der steht jetzt bei mir auf dem Fensterbrett und macht mir sehr viel Freude.
Ich denke, die Phase, in der ich mich jetzt befinde, hat nichts mit einem transidenten Leben zu tun – sondern einfach damit, dass ich zu erkennen habe, - nur nun auch zusätzlich als Frau - in welchem Lebensabschnitt ich mich nun befinde. Linda (2020, Jänner)
Wenn ich den neuesten Studien Glauben schenken kann, so bin ich mit einem „weiblichen Gehirn“ versehen, vom Phänotyp aber „Männchen“.
Im Zuge der Reflexion ist mir die Erkenntnis gekommen, dass ich mich zwar über die Jahre mit meinem weiblichen Fühlen, Begehren und Wünschen auseinandergesetzt hatte, nicht aber mit dem damit verbundenen Phänomen des weiblichen Handelns, das von Dritten wahrgenommen wurde. Viele Problemstellungen, die ich zu bewältigen hatte, sind mir damit verständlich geworden – nicht, dass ich sie auch mit meinem jetzigen Wissen vermeiden hätte können.
In vielen Situationen in meinem Leben hatte die Umgebung von mir ein normgerechtes „männliches“ Verhaltensmuster erwartet und war naturgemäß enttäuscht, wenn ich dieses nicht verwirklichen konnte. In meiner männlich dominierten Umgebung waren damit für mich Benachteiligungen verbunden. Andererseits hatte ich durch meine Handlungen, vor allem in gefährlichen und kritischen Situationen, sehr viele positive Erlebnisse, deren Ergebnisse sich als langanhaltend herausstellten.
April 2020
Dank Covit bin jetzt seit über einem Monat im Homeoffice. Das tut mir gut, denn jetzt kann ich so leben wie ich will, ohne irgendeinem Spießrutenlauf ausgesetzt zu sein. Habe keinen Erklärungsbedarf meiner Umgebung gegenüber. Ich genieße es richtig, wie immer mehr und mehr meine weibliche Seele herauskommt.
Und nach Covit – da wird sich so viel verändern, dass es gar nicht auffallen wird, wenn Linda an einem Schreibtisch sitzt.

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