Die Kleidung trägt Schuld: Malaysias Religionsbehörde erklärt Lesben-Werdung
01.12.2008 - 12:53, Rainbow Online
(rainbow.at) Ein hoher Beamter der Religionsbehörde erklärt erstmals, warum männliche Kleidung Frauen lesbisch macht – und wie das Tragen dieser „gefährlichen“ Kleidungsstücke bald bestraft werden könnte. Scheich Datuk Wan Mohamad Abd Aziz (Bild), Generaldirektor der Bundesbehörde für islamische Entwicklung, nimmt in einem Interview mit der „New Straits Times“ Stellung zu einem vom nationalen Fatwa-Rat ausgesprochenen Verbot, das besagt, dass sich Frauen nicht burschikos verhalten oder „männliche Kleidung“ tragen dürfen.

Abd Aziz erklärte, das Verbot sei noch nicht im malaiischen Gesetz aufgenommen worden – das könne aber nach Beratungen noch geschehen - sicher sei das jedoch nicht. Es würde dann ein Sharia-Gesetz werden, das für die 60 Prozent der Malaysier gelte, die sich zum Islam bekennen. Derzeit handele es sich lediglich um eine Empfehlung an die islamische Gemeinschaft.

Abd Aziz erklärt, das die Fatwa gegen so genannte „Pengkid“-Frauen gerichtet sei: „‚Pengkid‘ ist eine verheiratete oder ledige Frau, die äußerlich einem Mann ähnelt. Das kann durch die Kleidung gegeben sein oder wie sie sich verhält. Eine Frau kann wie eine Frau gekleidet sein, aber sich wie ein Mann verhalten – oder es kann eine Kombination der beiden Faktoren sein."

Der geistliche Beamte erklärt, warum ein „Pengkid“ lesbenanfällig ist: „Es fängt mit den Kleidern und dem Verhalten an. Wir sind besorgt, dass sie es dann auf einen extremen Grad steigern könnten. Darum denken wir, es ist sicherer, wenn sich jede Person ihrem Geschlecht entsprechend verhält. Eine Frau würde auch viel mehr in Frieden mit der Welt sein, wenn sie einen männlichen Partner hätte.“

Die islamische Perspektive sei hier etwas anders als die nicht-islamische, weil die Religion auf Vorbeugung einer „schlechten Sache“ wert lege: „Wir glauben, dass es ein guter Ansatz ist, etwas zu verhindern, das – basierend auf wissenschaftlichen Untersuchungen und anderen Erfahrungen – wahrscheinlich geschehen würde“, argumentiert Abd Aziz.

Freundschaften zwischen zwei Frauen, wie auch zwischen zwei Männern, seien jedoch in Ordnung – sie würden sogar im Islam gefördert. „Niemand sagt, Frauen könnten einander nicht lieben oder respektieren. Die Religion erlaubt das. Aber sie verbietet den extremen Akt. Das passiert, wenn eine Frau eine andere nicht als Freundin ansieht, sondern wie einen männlichen Partner. Das ist das Problem.“

Auf die Frage, ob Frauen in bestimmten Situationen – etwa bei der Arbeit – nicht auch männlich anmutende Kleidung tragen dürften, erklärte der Scheich: „Wir reden nur von normalen Bedingungen.“ Schließlich sei es auch in Ordnung, wenn sich ein Polizist bei einer verdeckten Ermittlung als Frau ausgebe.

Abd Aziz scheint jedoch nicht davon auszugehen, dass Männer die Fatwa dazu nutzen könnten, Frauen – etwa Konkurrentinnen – aus dem Verkehr ziehen zu lassen. Er antwortet auf eine derartige Frage forsch: „Lassen Sie uns die Möglichkeit des Schikanierens von Frauen durch Männer vergessen“.

Malaysia ist ein 27 Millionen Einwohner zählender Staat, der von einem starken Stadt-Land-Gefälle geprägt ist. In der Hauptstadt Kuala Lumpur gibt es eine große schwule und transsexuelle Szene, die vom liberalen Nachbarland Thailand beeinflusst wird. Hier leben neben Muslimen auch Buddhisten, Christen und Hindus friedlich zusammen.

Die Regierung räumt Muslimen eine privilegierte Stellung ein, da der Islam auch Staatsreligion ist. Ethnische Malaien sind automatisch Muslime und können praktisch nicht aus der Glaubensgemeinschaft austreten. Insgesamt bekennen sich 60 Prozent der malaiischen Bevölkerung zum islamischen Glauben. Die malaiische Auslegung des Islam hat in den vergangenen Jahrzehnten nach einer recht liberalen Phase wieder orthodoxe Züge angenommen, was auf eine Reihe von sozialen und ethnischen Konflikten zurückzuführen ist. (dk)
1 Zugriffe Redaktion Transgender.at