FPÖ bezeichnet Ulrike Lunacek als "Kampflesbe"
26.05.2009 - 23:29, Rainbow Online
(rainbow.at) Auch im EU-Wahlkampf zeigt sich die FPÖ als politisch untergriffig, wenn es um das Herabwürdigen von anderen Parteien geht. Laut einer 90-seitigen Argumentationsanleitung für FPÖ-Funktionäre und Wahlhelfer, die dem »Standard« vorliegt, wird u.a. die Grünen-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek als »Kampflesbe« diskreditiert.

Wendelin Mölzer (kleines Bild), 29-jähriger Sohn des freiheitlichen EU-Spitzenkandidaten Andreas Mölzer, erarbeitete das Grundlagenpapier, das FPÖ-Funktionären und Wahlhelfern Argumente für den EU-Wahlkampf liefern soll (Link zum PDF-Download siehe unten).

Der »Standard« spricht von einer »freiheitlichen Giftküche«, wenn in dieser Argumentationsanleitung über die »Kampflesbe« Lunacek geschrieben steht: »Mit ihr haben die Grünen wieder auf eine ultralinke und militant-feministische Linie eingeschwenkt und setzen überdies auf Randgruppen-Vertretung, da Lunacek sich explizit als Lobbyistin für Schwulen- und Lesbenrechte versteht. Dass dem Vernehmen nach ihre peruanische Lebensgefährtin in Brüssel lebt, dürfte bei Lunaceks Engagement keine Rolle spielen.«

Auf Nachfrage der »Standard«-Redaktion gibt Mölzer junior zu, dass dies nicht die »feine englische Art« sei. Er kontert, dass die FPÖ im Gegenzug von anderen Parteien »als Neonazis diskreditiert und denunziert« werden.

Obwohl Wendelin Mölzer als Autor in dem Grundlagenpapier angeführt ist, will er von dem Ausdruck »Kampflesbe« nichts gewusst haben. Dies sei nicht seine Diktion, so der Referent für Außen- und Europapolitik und Menschenrechte im freiheitlichen Parlamentsklub.

Zur Kandidatenliste der Grünen für die Europawahl am 7. Juni meinte Andreas Mölzer im Jänner, die Spitzenkandidatur Ulrike Lunaceks erhärte den Verdacht, dass sich Grünen vorrangig um Randgruppen wie Schwule und Lesben kümmerten. »Offenbar wird die Einführung der Homo-Ehe, nach Möglichkeit europaweit, als das dringendste Problem gehalten«, polterte der freiheitliche EU-Mandatar damals.

FPÖ-Spitzenkandidat Andreas Mölzer verteidigte in einem weiteren Gespräch mit dem »Standard« die Bezeichnung »Kampflesbe« für Grün-Politikerin Ulrike Lunacek: »Für mich persönlich ist Frau Lunacek bekennende Lesbe - und das vertritt sie auch kämpferisch.« Einen Grund für eine Entschuldigung sieht er nicht: »Ich habe den Ausdruck so nicht verwendet. Daher brauche ich mich nicht zu entschuldigen«, so der homofeindliche Politiker. Ergänzend zum Thema Homosexualität und den am Samstag stattfindenden Life Ball sagte Mölzer weiter: »Ich habe etwas dagegen, wenn Homosexualität zu einem gesamtgesellschaftlichen Vorbild hochstilisiert wird.« (cbox)
R.O Linktipp: images.derstandard.at/2009/05/14/FP%20Wahlhelfer%20Einschulung%20EU.pdf
11 Zugriffe Redaktion Transgender.at