Graz: Entscheidung von Bürgermeister Nagl ist ein Schlag ins Gesicht
03.01.2010 - 12:26, Rainbow Online
Für homosexuelle Paare bleibt der Trauungssaal der Stadt Graz geschlossen, Bürgermeister Nagl stellt für die Eintragung von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften nur das Mediacenter zur Verfügung. Allerdings wird eine feierliche Zeremonie verweigert, genauso wie der Zugang zu anderen festlichen Exklusiv-Orten, wie Schloss Eggenberg oder Orangerie.

"Diese Entscheidung von Bürgermeister Nagl ist für mich ein Schlag ins Gesicht. Wir wussten um die schwierige innerparteiliche Diskussion in der ÖVP um den Trauungssaal, dieser Kompromiss bleibt aber weit hinter den Minimalerwartungen zurück", so Lisa Rücker. "Graz setzt sich damit im Vergleich mit anderen Städten in Österreich, wie Wien, Linz und Salzburg ins Out. Diese Entscheidung kann und werde ich so nicht hinnehmen."

Gleichgeschlechtlichen Paaren in Graz bleibt mit dieser Entscheidung des Bürgermeisters die Gleichstellung weiterhin versagt und das in einer Stadt, die sich mit dem Titel Menschenrechtsstadt schmückt.

Neben dieser Diskriminierung mit hohem Symbolwert orten Vizebürgermeisterin Lisa Rücker und Gemeinderätin Daniela Grabe darüber hinaus eine Vielzahl von Diskriminierungen im Gesetz zu den eingetragenen Partnerschaften. Wesentliche Kritikpunkte sind unter anderem mehrere Bestimmungen, die darauf abzielen, homosexuellen Paaren jeglichen familiären Kontext abzusprechen. Beispiele dafür sind:

Der "Familienname" darf bei lesbischen und schwulen Paare nur "Nachname" heißen. Dies kommt einem Zwangsouting gleich und ist im Übrigen verfassungswidrig.

Das dezidierte Verbot der Stiefkindadoption, also das fehlende Recht der Partnerin, des Partners das leibliche Kind der Partnerin, des Partners zu adoptieren.

Ein Familiennachzug für Kinder des/der Partners/Partnerin sind im Fremdenrecht ebenfalls nicht vorgesehen.

Dass die gesellschaftliche Realität eine vielfältigere ist, als die klassische Mann-Frau-Kind-Familie, sollten endlich auch der Bundesgesetzgeber sowie Bürgermeister Nagl zur Kenntnis nehmen.
10 Zugriffe Redaktion Transgender.at