Wir sind Familie - nun auch in Wien
25.06.2010 - 06:47, RLK
RKL zum Wiener Landtagsbeschluss:

Wir sind Familie - nun auch in Wien

Das Rechtskomitee LAMBDA (RKL) zeigt sich erfreut über das heutige Urteil des Menschenrechtsgerichtshof und dessen prompte Umsetzung in Wien. Wien fordert Bund zur Aufhebung des Eheverbots auf.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat heute erstmals klar festgestellt, dass auch homosexuelle Paare eine Familie sind (Schalk & Kopf gg. Österreich). Und der Wiener Landtag hat dieses Urteil nur wenige Stunden nach seiner Verkündung umgesetzt. "Gleichgeschlechtliche Paare sind dank heute beschlossener Landesgesetze nun in Wien ausdrücklich als Familie anerkannt" zeigte sich RKL-Präsident Dr. Helmut Graupner erfreut über den abendlichen Beschluss des Wiener Landtages vom 24. Juni 2010 zur Umsetzung der Eingetragenen Partnerschaft (EP) in Wien. Graupner ergänzte: "Wien ist damit nicht nur das erste Bundesland, dass sein Landesrecht an die EP anpasst, sondern der Wiener Landtag auch das erste österreichische Parlament, das gleichgeschlechtliche Paare als Familie anerkennt."

Zur Umsetzung der Eingetragenen Partnerschaft zeigte sich Graupner zufrieden, dass in der "Sammelnovelle" zum Wiener Landesrecht quasi in letzter Minute noch die Kritik des Rechtskomitees Lambda (RKL) vom vergangenen Montag eingearbeitet wurden: "Der Sammelnovelle wurde nun eine Präambel vorangestellt, in welcher sich Wien im Landesrecht zur Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren bekennt. Zugleich wird allgemein festgehalten und in den einzelnen Gesetzen angeordnet, dass eingetragene PartnerInnen auch Familienangehörige sind" stellte Graupner fest und ergänzte: "Wien hat damit das Gesetz in letzter Minute noch deutlich verbessert und sich klar gegen die rückschrittlichen Ansichten des Bundesgesetzgebers gestellt. Denn im Bundesrecht wurde auf Drängen der ÖVP für eingetragene Paare vielfach der Bezug zu Familie bewusst vermieden, teils mit akrobatischen Verrenkungen des Gesetzgebers."

Die ablehenden Haltung der Wiener ÖVP zu diesem Gesetz samt Präambel sei daher "bedauerlich, aber im Lichte der negativen Erfahrungen mit der Bundes-ÖVP leider nur konsequent" so Graupner.

Erfreulich ist neben der Präambel und der Klarstellung beim Familienangehörigenbegriff in vielen Landesgesetzen, dass Wien etwa im Dienstrecht keine diskriminierenden Bestimmungen aus dem Bundesgesetz zur EP übernommen hat, sondern Regelungen betreffend Kinder gleichberechtigt regelt, etwa bei der Pflegefreistellung, der Hospizkarenz oder diversen Zulagen.



Wien fordert Aufhebung des Eheverbots

Graupner dankte daher all jenen, die sich bei SPÖ und Grünen bis zum Schluss für diese Verbesserungen eingesetzt haben und zeigte sich erfreut "dass in letzter Minute noch ein gemeinsamer Antrag von SPÖ und Grünen zur finalen Verbesserung der Sammelnovelle möglich war. Im Sinne der Sache von Lesben und Schwulen kann man sich nur öfter solche gemeinsamen Projekte wünschen."

Abschließend stellte Graupner allerdings fest: "Einziger Wermutstropfen in Wien ist aber weiterhin das Fehlen einer Generalklausel, mit welcher eine vollständige Erfassung aller Bereiche garnatiert wäre. Nun wurden zwar viele Gesetze geändert, aber es kann niemand garantieren, dass dabei nicht doch etwas vergessen wurde. In diesem Sinne wird das RKL hier weiter sehr genau hinschauen und kritisch bleiben!"

Besonders freut das Rechtskomitee LAMBDA (RKL) aber, dass der Wiener Landtag soeben auch noch den Bund aufgefordert hat, das Eheverbot für gleichgeschlechtliche Paare aufzuheben; und zwar ohne die bisher übliche Einschräkung "mittelfristig". "Wir hoffen auf das Vorbild der Bundeshauptstadt für die anderen acht Bundesländer", schließt Graupner.


Rückfragehinweis: 0676/3094737; 01/8766112, office@RKLambda.at, www.RKLambda.at
16 Zugriffe Redaktion Transgender.at