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Gedichte
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Tagebuch, Teil 2 (noch in Arbeit)
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Fotoalbum: Eremitage
Das erste Mal draußen, November 2004
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Fotoalbum: März 2005
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Oktober 2005
Gästebuch

sowas wie ein tagebucheintrag

Endlich!
Das erste Mal tagsüber draußen!
Nicht mehr heimlich und verstohlen im Schutze der Dunkelheit durch verlassene Straßen gestöckelt.
Nein, sondern voller Selbstbewußtsein am hellen tag! Lange genug hat´s gedauert. Aber man lebt nur einmal und später will ich nicht bereuen, die Dinge nicht getan zu haben, die ich so gerne getan hätte.
Denn wie lautet ds schöne Sprichwort, man bereut nicht die Dinge, die man gemacht hat, sondern die Dinge, die man nicht gemacht hat.
Und deshalb scheib ich auch diesen Text hier. Für alle meine "Schwestern", die in den Untiefen des Netztes herumgeistern und vielleicht auf diese Seite stoßen und möglicherweise genauso schüchtern und gehemmt und voller Ängste, Zweifel und Schamgefühlen sind wie ich selbst auch.
Also, ihr liebe Schwestern! Paßt gut auf und denkt über das schöne Sprichwort nach, von dem ich gerade gesprochen habe. Und überlegt ecuh mal, was ihr schon alles verpaßt habt, nur weil die ewige Angst euch im Nacken saß. Da muß ich selber gar nicht lange nachdenken, das gilt nämlich auch für mich genauso. Wie oft schon habe ich mir selbst im Weg gestanden, nur aus angst. Und wie lange hat es gedauert vom ersten Klamottenkauf, schweißgebadet und mit zittrigen Knien und belegter Stimme an der Kasse bis zum ersten wirklichen Gang nach draußen ans Licht!
6 Jahre!
Eine wahnsinnig lange Zeit, mit vielen Aufs und Abs ud nicht wenigen Momenten, in denen ich am liebsten alles weggeschmissen oder verbrannt hätte, alles vergessen und endlich ein ganz normales, anständiges Leben als ganz normaler, anständiger Mann leben. Aber natürlich kann man etwas, das ein Teil von einem selbst ist, nicht auf Dauer wegsperren, verleugnen und ignorieren. 6 Jahre ist eine lange Zeit. Aber es ist nie zu spät, daas eigene Leben so zu akzeptieren wie es ist und das zu tun, was dem eigenen Ich entspricht, egal wie ungewöhnlich es für Außenstehende auch wirken mag. Natürlich bin ich noch lange nicht bei diesem Ziek angelangt, und vielleicht werde iches auch nie erreichen, wer weiß. Aber Der Anfang ist gemacht, und das macht Mut!
Und nicht zuletzt dient mein Schreiben hier auch ein bißchen der Selbsttherapie. Aber das ist ja nicht unbedingt das Schlechteste. Und wenn ich einigen von euch da draußen auch ein bißchen oder sogar ein bißchen mehr Mut machen kann, dann ist das natürlich noch besser!
Wie gesagt, 6 Jahre liegen zwischen dem ersten Schuh- bzw. Kleidungskauf und meinem ersten "Ausgang" bei Tageslicht.
Und diesen ersten Gang an die frische Luft habe ich am

Mittwoch, dem 24.11.2004,

gewagt. Einem wunderschönen, sonnigen Herbsttag, ideal für einen Spaziergang im Park. Die Eremitage bei ayreuth ist ein wunderschöner Landschaftspark, weitläufig, mit Wasserspielen, großen Rasenflächen, einem Heckenlabyrinth, und kleinen Pavillons. Und natürlich dem berühmten Sonnentempel mit der goldenen Quadriga auf dem Dach und abertausenden bunten Glas- oder Porzellanscherben und Steinchen, die im Licht wunderschön strahlen und leuchten.
Hier also sollte es passieren. Nur wie hinkommen?
Verkleidet von mir zu Hause raus und durch die ganze Stadt, womöglich noch mit dem Stadtbus?
Etwas verwegen. Also doch besser alles in eine Tasche gestopft und schön unauffällig als Mann hingefahren. Zum Glück gab´s Toiletten, in ddenen das heikle Unternehmen des Umziehens vonstatten gehen konnte. Nun war ich in Sicherheit, ich hätte es mir auch wieder anders überlegen können, und keiner hätte etwas bemerkt. Aber der Wunsch, es endlich zu tun war stärker. Und in mir war geradezu eine Lust, endlich das in die Tat umzusetzten, was schon so lange unterdrückt wurde. Dies war der Tag, und alle Ängste wurden von einer unbändigen Freude, Vorfreude, fast wie bei den Kindern am Heiligen Abend überstrahlt.
Also raus aus dem WC, hinein ins Leben!
Die Jahreszeit ist natürlich günstig für unsereinen, mit einem kuscheligen Schal läßt sich der verräterische Bartschatten prima verstecken, und ein fesches Mützchen auf dem Kopf läßt einen noch sicherer fühlen.
So ausgestattet, eroberte ich mir nun also die Eremitage zu Bayeuth. Und da es ein wunderschöner, soniger Tag war, konnte ich auch gleich die reaktione der anderen Spaziergänger und Jogger studieren.
Der erste Mensch, der mir begegnete, war ein Jogger, der sich nicht im Geringsten dafür interessierte, wer da sonst noch so rumspazierte. Dann gab es Mamas mit Kinderwagen und Rentner, die die Sonnenstrahlen genossen. Und bei keinem hatte ich das Gefühl, als etwas Unnormales wahrgenommen zu werden. Also war die Verkleidung wohl zumindest so gut, daß ich bei flüchtigem Hinsehen als Frau durchgegangen bin. Vom Gesicht, dem verräterischten Körperteil, sah man ja nur die Nasenspitze und die Augen. Der Rst war durch Schal und schön tief in die Stirn gezogene Wintermütze verdeckt. So also schien es zu funktionieren.

Etwa 2 Stunden bin ich auf diese Weise umherflaniert. Und ich hab´s überlebt, mir hat keiner den Kopf abgerissen, die Leute haben sich nicht nach mir umgedreht.
Das war ein großer Lerneffekt verbunden mit einer Riesenportion Glücksgefühlen. Ich hatte es tatsächlich geschafft.
nun mußte ich wieder aufs Klo verdrücken, um mich zum Mann zurückzuverwandeln. ein heikler Moment, denn wie hätte es wohl gewirkt, wenn ich als Frau auf dem Herren-WC jemandem begegnet wäre, glücklicherweise war jedoch niemand da. Also wieder rein ins Häuschen und Klamotten gewechselt. s gibt durchaus schöneres als solche Aktionen in einer engen Kabine, aber dort ist man wenigstens vor Blicken geschützt. Und als normaler Mann verließ ich das stille Örtchen und ging meiner Wege...

Und weil man ja, wenn man erstmal Blut geleckt hat, immer mehr will, und das Verlangen die natürlich immernoch vorhandene Angst überflügelt, bin ich heute, am


Dienstag, 30.11.2004,

wieder raus. diesmal allerdings hab ich mich schon zu Hause ungezogen. Und das Verlassen meines ppartments war in der Tat der ungemütlichste Teil dieser ganzen Aktion. Wie soll man reagiere, wenn die Flur-Nachbarin gerade ihre Tür aufreißt, wenn man selbst gerade in Frauenklamotten die Wohnung absperrt? Da gibt es wohl keine Patentantwort. Jedenfalls hab ich über 10 Minuten hinter der Tür gestanden und gehorcht, ob sich jemand nähert oder die Luft rein ist. Endlich hab ich mich getraut, rauszugehen, hab extra einen anderen Weg nach draußen genommen, über einen anderen Treppenaufgang, und prompt laufe ich natürlich einem Kommillitonen vor die Füße. Zum Glück war´s in dem Flur ziemlich dunkel, ich hatte meine Mundpartie wieder schön mit dem Schal verdeckt, sodaß ich hoffentlich nicht sofort aufgefallen bin. Stur bin ich an ihm vorbeigegangen, schnellen Schrittes, sicher viel zu schnell, aber in dem moment war der Fluchtreflex einfach stärker. Und raus aus dem Wohnheim.
Puuh! Das hätte ins Auge gehen können.Vor dem Wohnheim jede Menge Betrieb, klar, es war ja erst 6 Uhr. So, was tun? In die Stadt aufen, oder den Bus nehmen? Hmmm.....
Busfahren erschien mir dann doch etwas zu kühn, also lieber zu Fuß. Und während des etwa 20 minütigen Fußmarschs hat keiner, der mir begegnete, irgendwelche Zeichen der Überraschung oder des Erstaunens von sich gegeben. Das ließ sich ja schon mal gut an. Am Beginn der Fußgängerzone wurde das Getümmel dann stärker. Ruhig lut! Einfach ganz gelassen weiterlaufen. Den Schal schön hochgezogen, alt genug ist es ja. Keiner dreht sich um, ich höre auch kein Kichern oder Ähnliches. Offenbar falle ich nicht auf.
Ich komme an einem Schuhgeschäft vorbei. Mal durch´s Fenster lugen.
Hmm... Wäre doch ne tolle Gelegenheit, gleich mal ins kalte Wasser zu springen und die Situation zu testen. Also rein ins Geschäft. Die Verkäuferin würdigt mich keines Blickes. gut so! Also mal rumgestöbert. Wow, tolle Stiefel, und richtig billig! Also anprobieren! Unglaublich, ich bekomme trotz meiner starken Waden den Reißverschluß zu! Prima! Aber die Absätze sind zu hoch für mich. Für derartiges Schuhwerk bin ich, zumindest im Moment, noch nicht reif. Tja, schade eigentlich. Obwohl mich ein Gefühl des nverständnisses beschleicht, warum sich Frauen sowas antun. In solchen Quanten kann doch kein Mensch bequem laufen. Hm, naja, aber ein sehnsuchtsvoller Blick zurück auf das Schuhregal liefert die Antwort. Die Dinger sehen halt soo gut aus. Tja, als Frau muß man eben leiden, um gut auszsehen.
Und weiter gings durch die vorweihnachtlich geschmückte Innenstadt Bayreuths. Eigentlich wollte ich ja endlich mal ne anständige Schminke kaufen, die den Bartschatten auch wirklich mal abdeckt. Also rein in einen Drogeriemarkt. Hin zu den Make-up-Sachen. Oh mann! Wozu braucht man bloß diese zehntausend verschiedenen Lippenstifte, Nagellacke, Puder, etc etc... Als Mann ist das Leben so schön einfach und übersichtlich, aber also Frau braucht man ja geradezu einen Generalstabsplan, m sic im Labyrinth der Kosmetika zurechtzufinden. Und die Preisunterschiede für die Spachtelmasse können sich auch sehen kassen! wahnsinn. So viel Geld für so wenig Inhalt. Und dabei brauchen die meisten Frauen sowas doch gar nicht. Die haben´s gut. Denn denen wächst ja kein Bart, den sie abdecken müssen. Und überhaupt... Wirklich dringend benötigen solche Dinge doch eigentlich nur wir, oder ist dieser Gedanke jetzt etwas surreal? Naja, wie dem auc sei. Ich entdecke dann doch nochein Produkt, das die magischen Worte "stark deckend" trägt. Preis ist auch ganz ok. So, hoffentlich wird das nicht wieder so ein Reinfall wie mit den anderen Make-up-Sachen, die ich mir im Lauf der Zeit immer wieder mal gekauft hatte, und die sich sämtlich als für meine Bedürfnisse ungeeignet erwiesen hatten. Aber irgendwie muß es doch mal klappen. Und diesmal konnte ich ja endlich mal in aller Ruhe schauen und vergleichen. Tja, als Frau darf man das halt. Als Mannist das immer eine Situation, die zu unkontrollierten Schweißausbrüchen und Verfärbung des Gesichts nach Dunkelrot führen. Zumindest bei mir. Aber diesmal war ich ja als Frau unterwegs und ging einer normalen weiblichen Tätigkeit nach. Also gut. Aber jetzt: Wie bezahl ich das Zeug, ohne an der Kasse geoutet zu werden? Am Besten gar nicht denken, hirm ausschalten, auf Durchzug stellen... Vor mir räumt eine Dame ihren Einkauf in die Tasche. Die Kassiererin hat mich noch nicht im Visier. Ich lege das Tübche aufs Band. Den Geldschein hab ich schon griffbereit, sie grüßt mich, ich weiß nicht was ich tun soll. Ist es besser, sie hält mich für eine unhöfliche Dame, oder für einen Mann, der in Frauenklamotten durch die Gegend läuft? Also gut. Soll sie mich für einen Stoffel halten. Ich reiche ihr den Geldschein, wortlos,. Sie gibt mir das Wechselgeld. Ich raffe alles in die Jackentaschen. Und dann murmle ich doch noch etwas sehr undeutliches, leises, piepsiges beim Weggehen. Keine Ahnung, ob sie was generkt hat. Egal. Jetzt erstmal weg.
Richtung Kino. Mal sehen, was so läuft. Jede Menge junge Leute vor dem Eingang und bei den Schautafeln. Wieder eine gute Gelegenheit für eine Test. Ich bewege mich ganz normal zwischen den Menschen, keiner spricht mich an. Ich registriere kein Befemden. Naja, ist dich gar nicht so übel.
Und nun zurück auf den Marktplatz. Auf einmal prusten hinter mir 2 -3 Mädels so um die 16 los. Oha! Etwa wegen mir? War ich jetzt doch zu unachtsam? Hat mich mein Gang verraten? Oder war der Schal zu tief runtergerutscht? Oh Mann! Einfach weiterlaufen. Vielleicht haben sie ja gar nicht mich gemeint. Oder etwa doch? Und waren die anderen Menschen, die Erwachsenen, denen ich heute begegnet bin, einfach zu höflich und taktvoll, um eine Reaktion zu zeigen?
dies Gedanke gingen mir durch den Kopf. Doch was würde mir das jetzt helfen? Ich war mitten in der Stadt. Meine Verkleidung war nicht perfekt, das war klar. Aber ichwar hier mitten im wahren Leben. Ich konnte mich nicht einfach wegbeamen. Also mußte ich einfach weitermachen. Anders ging´s ja nicht. Den anderen Leuten schien weiterhin nichts aufzufallen. Hm. Naja. Zur Sicherheit blieb ich noch häufiger vor Schaufenstern stehen, um den korrekten Sitz von Schal und Mütze zu überprüfen.Und um mir den Schweiß aus dem Gesicht zu wischen. Aber die Freunde über ds, was ich da gerade machte, das Vergnügen, in die Rolle zu schlüpfen, die ich mir schon so lange erträumt hatte, waren immernoch so stark, daß ich mir den Tag jetzt nicht durch 3 gackernde Teenager verdeben lassen wollte.
Und außerdem nahm auch weiterhin keiner von mir Notiz. Wieder beruhigt genoß ich noch einen Blick über den lichtergeschmückten Markt mit dem großen leuchtenden Christbaum.
Und dann machte ich mic auf den Heimweg, der ebenso unspektakulär verlief wie der Hinweg eineinhalb Stunden zuvor. Die einzige Klippe, die ich jetzt noch umschiffen mußte, war der Weg vom Eingang des Wohnheims bis in mein Zimmer. Am Besten einfach rein und nicht lange gefackelt! Gesagt, getan, und obwohl hinter mir 2 Mädels herliefen, bin ich ungerührt die Treppe hochgegangen und erreichte schließlic mein Zimmer.
So. Geschafft! Puuh.
Erst mal durchatmen. Damit hätte ich also auch meinen 2. Ausflug ins echte Leben ohne größere Blessuren überstanden. Ein richtig gutes Gefühl!

Es kostet wahnsinnig viel Mut, die ersten Schritte zu machen. Aber ich kann jedem versichern, es macht unglaublich viel Spaß und wenn man erstman angefangen hat, dann kann und will man nicht mehr aufhören! Und das ist es doch, was wir alle wollen, oder?

Ich dachte immer, man müßte zu zweit sein, um so eine Aktion zu starten. Aber das ist echt nicht notwendig. Es kann wunderbar klappen, auch wenn man allein ist. Die Klamotten sollten halt schon zusammenpassen und zur jeweiligen Statur passen. Aber damit verrate ich ja kein Geheimnis. Das gilt schließlich immer und in allen Lebenslagen.
Das einzige, was man braucht, ist ein Stückche Mut und die Einsicht, daß man wirklich nur einmal lebt, und daß kein einziger Tag zurückkommt. Und damit auch keine Chance, die man verpaßt hat, etwas zu tun, was einem wirklich wichtig ist. Und das eigene Leben so zu leben, wie man es möchte, das ist wohl mit das Wichtigse überhaupt. Ich habe selber auch viel zu lange den Fehler gemacht, nur in meiner Phantasiewelt oder via Internet meinen Traum zu leben.

Aber das richtige Leben ist woanders! Das richtige Leben ist draußen auf der Straße! Also, Schwestern im Geiste!
Raus mit euch!!!





Anhang zum Make-up.
Natürlich hab ich meine Neuerwerbung gleich ausprobiert. Das Zeug ist echt ganz schön zäh. Immerhin deckt es die Bartstoppeln ab! Das wäre also geschafft. Aber das Gesicht sieht zugekleistert aus wie bei einer Puppe aus Pappmacheé. Tja, wer hätte je behauptet, der Weg zur Frau sei ein einfacher? Aber wie der Lateiner sagt: Per aspera ad astra.
Und außerdem: der Weg ist das Ziel!

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