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Angelika's Weg

So selbstsicher manches hier auch klingen mag – mein Weg zu Angelika war alles andere als geradlinig und einfach. Vor allem war er weit, sehr weit …

Dabei fing alles so gut an, denn mein erstes Coming-out hatte ich bereits im zarten Alter von 4 Jahren:
Es war Fasching, und wie üblich sollte der in Form einer wilden Kostümfete mit den Nachbarskindern gefeiert werden. In diesem Jahr hatte ich jedoch einen besonderen Kostümierungswunsch – Prinzessin!
Da half alles Zu- bzw. Ausreden nichts – wahrscheinlich hatte mir irgendwer erzählt, im Fasching könne man sein, was immer man sein möchte; und ich wollte halt partout eine Prinzessin sein. Nun - ich sollte meinen Willen bekommen; mit dem Erfolg jedoch war ich nicht wirklich zufrieden:
Ich wirkte so überzeugend, dass meine Eltern mehrfach gefragt wurden, wo sie denn plötzlich eine Tochter herhätten – der Sachverhalt war rasch aufgeklärt; aber anstatt der erwarteten Bewunderung erntete ich - wer hätte es gedacht? - nur Kopfschütteln und Gelächter.

Eine lustige kleine Geschichte?
Sicher, aus heutiger Sicht – damals fand ich’s allerdings überhaupt nicht komisch (wer mag es schon, ausgelacht zu werden?) - es blieb mein vorerst einziger Versuch eines Outings.

So verlief meine Jugend ziemlich unauffällig; ich entwickelte eine wahre Meisterschaft darin, meine Neigung vor mir und der Welt zu verstecken, und ich glaube nicht, dass jemand mitbekommen hat, dass die Rocky Horror Picture Show für mich mehr war als nur irgendein Kultfilm …

… und doch war da etwas.

Nie war ich der gefragte Typ, vor allem nicht beim weiblichen Geschlecht. Warum auch immer – zu unsportlich, zu schüchtern - teilte ich nie wirklich die Interessen der Jungs, und war eben doch kein Mädchen – war niemandem zugehörig, ein Einzelgänger wider Willen. Was soll’s, sagte ich mir, lebte vom Prinzip Hoffnung und stürzte mich auf alles was Erfolg und Anerkennung versprach: Musik, Hobbys, später Studium, zeitweilig Alkohol, Beruf …

Nebenher entfaltete ich eine merkwürdige Vorliebe für Damenunterwäsche, und auch die eine oder andere sadomasochistische Phantasie. Beides entwickelte sich stetig und fand doch lange Zeit nur in meiner Vorstellung statt.
Ich sollte mehr als 30 Jahre alt werden, bis ich mir meinen ersten BH kaufte, und noch etwas älter, bevor ich mich überwand, einmal ein Domina-Studio aufzusuchen. Beides war’s nicht wirklich, brachte in jedem Fall einen ordentlichen „Seelenkater“, selten einen guten „Kick“, niemals aber echte Erfüllung, beides ließ meine Fragen unbeantwortet, ließ die Seele merkwürdig unberührt. Und doch hätte ich mich, noch vor wenigen Monaten, als devoten Damenwäscheträger (was für ein Wort!) definiert – wie man sich täuschen kann !

Denn plötzlich kam’s knüppeldick.
Das Jahr 2005 begann für mich außerordentlich spannungsreich - privat wie beruflich ging es drunter und drüber, ich versuchte Ordnung zu schaffen und hinterließ doch zunächst nichts als Chaos, trennte mich von allerlei Ballast und hatte gute Chancen, dabei selbst über Bord zu gehen; letztlich hatte ich Glück, unvermutet auf ein paar echte Freunde zu treffen und irgendwie aufgefangen zu werden.
In all dem Durcheinander entdeckte ich – so zufällig wie man im Internet eben Dinge entdeckt – eine FemDom in der Nähe meines Wohnortes, mitten in der Provinz. Kurzerhand erbat und bekam ich einen Termin, fand eine nette, warmherzige Dame vor, und – ich weiß nicht, was mich auf einmal ritt – ich erzählte ihr, was ich selbst kaum ahnte, was ich bis dato recht gut vor mir selbst verheimlicht hatte: Ich offenbarte ihr meine weibliche Seite. Auf einmal hatte das Kind sogar einen Namen, ohne Nachzudenken, ganz spontan; Angelika erschien mit aller Macht in meinem Leben.

Madame reagierte weder mit Unverständnis noch mit der erwarteten professionellen Gleichgültigkeit, sondern fast schon liebevoll, jedenfalls mit echter, unverkrampfter Sympathie. Sie sparte aber auch nicht mit Tadel: Tadel nicht für mein androgynes Wesen an sich, sondern für die Inkonsequenz, mit der ich diese wunderbare und liebenswerte Neigung vernachlässigt hatte.

Wunderbar? Liebenswert???

Diese Worte eröffneten mir vollkommen neue Perspektiven – nie zuvor war ich auf die Idee gekommen, in meiner „kleinen Besonderheit“ etwas Positives, Schätzenswertes und Förderungswürdiges zu sehen. Und doch musste ich einsehen, dass Madame Recht hatte:

37 Jahre lang hatte ich alles getan, um meine Neigung unter der Decke zu halten - und was hatte ich damit erreicht? Letztlich war mein Lebenserfolg bescheiden geblieben. Ich hatte es im Griff, mehr aber auch nicht - das große Glück, in welcher Form auch immer, blieb mir (bislang) versagt. Und wenn ich’s genau bedenke, ist das auch kein Wunder. Schließlich war ich ja nur mit einer Hälfte existent – die andere lag irgendwo verschüttet, begraben, verleugnet; meine Persönlichkeit blieb unstimmig, unklar, unehrlich. Menschen nehmen so was wahr …

Wie auch immer – das Eis war gebrochen, erste Versuche mit Perücke und Schminke offenbarten, wie dicht das Feminine unter meiner männlichen Oberfläche liegt, wie leicht es sichtbar zu machen ist. Zum erstenmal im Leben stand ich überglücklich vor einem Spiegel und staunte mein eigenes Abbild an.

Vor allem spürte ich: ja, das ist es, was ich gesucht habe - ich spürte, dass ich der Antwort auf meine Lebensfrage nähergekommen bin. Ich beschloss, diese feminine Seite in mir, die mir schon so viel Kummer bereitet hat, nicht nur irgendwie als unabänderlich zu akzeptieren, sondern anzunehmen und in einem positiven Sinne damit zu leben.

Seitdem bin ich immer auch ein Stückweit Angelika – nicht nur, weil ich muss, sondern weil es mir Freude macht, weil es mich weiterbringt – weil es zu mir gehört.

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